Freitag, 26. Oktober 2012 12:38

Privatkredite in EuropaAktuell verkündet die Finanzwelt den stärksten Rückgang bei Privatkrediten im Euroland in den letzten drei Jahren. Wie erklärt sich dieser Rückgang? Allgemein bekannt ist, dass das Kaufverhalten der Bevölkerung als ein sicheres Konjunkturbarometer anzusehen ist. Zumal die Kauflaune der Verbraucher – ob gut oder schlecht – zu den sehr leicht und sehr sicher messbaren Größen gehört. Denn Unternehmen jeder Größe und jeder Branche – vom kleinsten Tante-Emma-Laden um die Ecke bis zum größten weltweit agierenden Konzern – ziehen regelmäßig Bilanzen und vergleichen aktuelle Zahlen (Verkaufszahlen und Umsatz, Gewinn und Wachstum) mit Zahlen aus den vergleichbaren Zeiträumen in der Vergangenheit. So spiegeln die Kredite, die an privaten Haushalten vergeben werden, ebenfalls das Konsumverhalten der Bürger wider: Weil größere Anschaffungen in der Regel nicht bar bezahlt werden, sondern per Verbraucherkredit finanziert werden.


Das Gleiche gilt natürlich auch für die Kredite an Unternehmen, und zwar im noch größeren Umfang: Flauten, Stillstände, Stagnationen und Rückgänge bei der Produktion bedeuten Rückgänge bei der Nachfrage nach Krediten. Kurz und bündig, jedes Wirtschaftswachstum wird von Kreditwachstum – das Wirtschaftswachstum der Kreditgeber! – begleitet. Aber auch umgekehrt gilt es: Konjunkturschwankungen und Konjunktureinbrüche bescheren der Kreditwirtschaft entsprechende Schwankungen und Rückgänge. Leider sieht es um die Wirtschaft der 17 Länder der Eurozone momentan nicht gerade rosig aus. Diese stagniert – Angaben der Europäischen Zentralbank zufolge ist sie im dritten Quartal 2012 um 0,2 Prozent geschrumpft – und droht sogar in die Rezession abzurutschen.


Trotz Zusage der EZB, Staatsanleihen der überschuldeten Länder der Eurozone in unbegrenzter Höhe zu kaufen, bleibt die Lage im Euroland schwierig. Aus informierten Kreisen – Analysten der holländischen Großbank ABN Amro – sind zwar optimistische Töne zu vernehmen, dass es mit einem anhaltenden Aufwärtstrend zu rechnen sei, allerdings nicht so schnell, eben erst im zweiten Halbjahr 2013. Mario Draghi – der EZB-Präsident – hat ebenfalls die Erwartung geäußert, dass die Wirtschaft im Euroland sich 2013 nach und nach erholen werde. Dagegen hat der Internationale Währungsfonds seine Prognose für das Wirtschaftswachstum im Euroraum für 2013 gesenkt – von 0,7 Prozent auf nur 0,2 Prozent. Zumal die Regierungen die Staatsausgaben gesenkt hätten, sei für 2012 erst mit der weiteren Schrumpfung zu rechnen.


Zurück zum Thema Privatkredite: Eben als eine Folge des Konjunkturrückganges im Euroland ist das Volumen der an privaten Haushalten vergebenen Kredite im September 2012 gesunken, und zwar um 0,8 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresmonat (September 2011). Bei einem Rückgang von 0,6 Prozent im August 2012 gegenüber von August 2011 geht es um eine beunruhigende Entwicklung, zumal besagter Rückgang im September 2012 „der Fünfte in Folge“ sei und zugleich „der stärkste seit Oktober 2009“, so die offizielle Mitteilung der Europäische Zentralbank in Frankfurt am 25. Oktober 2012.


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